Der Ruf der Wildnis
Eine Reise durch den Kruger Nationalpark
Wir sind
jetzt schon seit fast 18 Jahren hier und finden es immer noch sehr schön hier
im Westen des Landes. Aber ab und zu können wir dem Ruf der Wildnis nicht
widerstehen. Da es aber die echte Wildnis nicht bei uns in der Nähe gibt,
müssen wir schon den 2000km langen Weg in den Kruger Nationalpark in Kauf
nehmen, der ist immerhin 380km lang und 80km breit, da kann man also schon von
Wildnis reden. Nun könnte man direkt dorthin fliegen, aber da wir teilweise
Selbstversorger sind und Küchengeräte, Campingstühle etc. dabeihaben, nehmen
wir das eigene Auto und fahren 4 Tage zum Park. Dabei übernachten wir meistens
in Frühstückspensionen, sogenannten Bed&Breakfasts,
die manchmal ganz bezaubernd sind. So wie das kleine Hobbit Boutique Hotel in
Bloemfontein. Es ist das Geburtshaus von J. R. R. Tolkien, dem Autor vom „Herr
der Ringe“ und den „Hobbits“. Es ist ein schönes altes Haus mit knarrenden
Dielen, Möbeln aus der alten Zeit und jedes Zimmer ist nach einem Hobbit
benannt.

Wir
waren dann aber doch froh als wir endlich angekommen waren. Im Park wohnt man
in einfachen Rundhütten, die Küche befindet sich draußen und man muss immer den
Kühlschrank zur Wand drehen, damit die Affen ihn nicht ausrauben können.

Aber
die Lage direkt am Fluss ist sehr schön und man kann direkt vom Küchenstuhl aus
beobachten wie die Elefanten zum Trinken kommen.

Hier
am Sabie-Fluss ist die Löwen-Population sehr hoch und ständig sieht man Löwen
am Flussufer

Darunter
auch immer wieder solche Prachtkerle

Hier
in der Gegend ist das ein alltäglicher Anblick, aber dann haben wir doch eine
seltene Sichtung. In einem Flussbett entdecken wir ein Leopardenpaar, was sehr
ungewöhnlich ist, da Leoparden im Gegensatz zu Löwen solitär leben.

Sie
kommen nur zur Paarung zusammen. So ist es auch hier. Das Männchen lockt das
Weibchen weiter ins Flussbett hinein.

Wo
sie sich auf einem Felsen wie auf einem Präsentierteller paaren.

Das
hatten wir noch nie gesehen und ist wirklich ein seltener Anblick. Wie gesagt,
gibt es hier sehr viele Löwen und die taten es den Leoparden gleich, aber den
Anblick ersparen wir uns mal.

Aber
auch unter Geschwistern geht es sehr harmonisch zu.

Es
kommen auch viele Elefanten zum Fluss und sorgen immer wieder für einen
Verkehrsstau, vor allem, wenn auch Junge dabei sind.

Die
nächste Sichtung ist nichts für Zartbesaitete, aber so ist halt der Kreislauf
der Natur. Ein Löwenrudel hat am Vorabend mitten auf der Straße einen Büffel
gerissen. Die ganze Nacht haben sie sich die Bäuche vollgeschlagen, wobei es
eine strenge Rangordnung gibt. Der Alphalöwe darf zuerst fressen, danach die
Weibchen und ganz zum Schluss die Jüngeren.

Der
Büffel ist fast aufgefuttert, aber die Jungen sind immer noch hungrig.

Wobei
die ganz Kleinen sich mühsam einen Platz an der Futterkrippe erkämpfen müssen.

Am
nächsten Tag kommen wir nochmal an der Stelle vorbei und das ist alles, was vom
Büffel übriggeblieben ist.

Am
dritten Tag war nichts mehr zu sehen, da hatten die Hyänen auch die Knochen
gefressen. Solch ereignisreichen Tag beschließen wir mit einem Sundowner-Drink
am Sunset-Lake direkt vor dem Camp und beobachten dabei noch ein wenig die
Nilpferde.

Am
nächsten Morgen entdecken wir zwei Geparde, was inzwischen leider auch ein
seltener Anblick ist. Unglücklicherweise sind sie sehr weit weg.

Sie
wirken sehr entspannt, so dass nicht zu erwarten ist, dass sie aktiv werden und
näherkommen,

Und
daher fahren wir weiter am Fluss entlang, denn frühmorgens kommen regelmäßig
große Büffelherden zum Trinken.

Es
gibt sehr viele Giraffen im Park, man sieht sie fast überall und auch sie
kommen runter zum Fluss.

Die
Temperatur steigt jetzt sehr schnell an, zeitweise wurde es 45 Grad. Dann
verziehen sich die Tiere in den Busch, es gibt nicht mehr viel zu sehen, aber
man freut sich dann auch an den kleinen Dingen wie diesem prächtigen Kudu.

Abends
wird es wieder kühler und in der blauen Stunde kommen die Nilpferde aus dem
Wasser um während der Nacht an Land zu grasen.

Am
nächsten Morgen hören wir aus dem Busch ein Gejaule und Gefiepe.
Wir schauen nach und entdecken ein Hyänenrudel, welches wild umeinander rennt
und viel Lärm erzeugt.

Sie
haben etwas gerissen, ich nehme an es war ein Warzenschwein und streiten sich
jetzt um ihren Anteil.

Es
wird hart um die Beute gekämpft.

Bis
endlich jeder ein Stück ergattert hat und damit im Busch verschwindet.

Etwas
später entdecken wir Geier die am Himmel kreisen, also muss irgendwo ein Riss
sein. Bald sehen wir eine Gruppe von Geiern.

Sie
laben sich an einem toten Nilpferd.

Das
liegt hier wohl schon länger, denn es scheint innen schon hohl zu sein.

Ganz
in der Nähe liegt ein vollgefressenes Löwenrudel.

Nun
wird es auch für uns Zeit für ein zweites Frühstück. Das nehmen wir an unserem
Lieblings-Picknickplatz zu uns. Es besteht aus den wunderbaren Frühstücksjaffeln, das ist ein Ei mit Speck zwischen zwei
Toastbrotscheiben, die mit einer Art Waffeleisen im Feuer gebacken werden.

Am
späten Vormittag steigt die Temperatur an und deshalb machen wir uns auf
Heimweg, halten aber kurz auf einer Brücke, denn hier darf man sein Fahrzeug
verlassen und freuen uns an der schönen Flusslandschaft.


Am
Nachmittag kommen wir an einem kleinen See vorbei wo uns auffällt, dass die
Paviane im Wasser nach etwas graben.

Sie
suchen nach den abgestorbenen Stängeln der Seerosen, anscheinend eine
Delikatesse.

Die
Nilgänse lassen sich davon nicht stören, sie halten einen Plausch mit den
Witwenenten.

Am
nächsten Morgen treffen wir an einem Wasserloch auf ein Rudel Hyänen. Ständig
gibt es Streit und es wird viel Lärm gemacht.

Manchmal
sieht es so aus, als wenn einige gemoppt werden. Werden hier etwa Intrigen
gesponnen?
Manch
einer verwechselt das Wasserloch mit einer Badewanne, sehr zum Missfallen des
Kollegen.

Die
Jüngeren versuchen es ihm gleichzutun, werden aber sofort von den Älteren zur
Ordnung gerufen.

Ein
parkendes Auto erregt unsere Aufmerksamkeit. Da wir nichts Besonderes
entdecken, fragen wir was es denn zu sehen gibt. „Ein ganzes Rudel Wildhunde“
war die Auskunft. Die Hunde sind so gut getarnt, dass man sie im Schatten kaum
sieht.

Je
länger wir schauen, desto mehr Hunde entdecken wir. Das ist ein erfreulicher
Anblick, denn Wildhunde oder auch Hyänenhunde genannt sind vom Aussterben
bedroht, weil sie sehr anfällig gegen Hundestaupe sind. Wir warten ein wenig,
bis sie munter werden.

Sofort
rennen alle durcheinander.


Bis sie
plötzlich wie auf ein geheimes Zeichen im Gebüsch verschwinden.

Es
wird wieder Zeit für ein zweites Frühstück, dieses Mal aber im Camp hoch über
dem Olifants-Fluss mit toller Aussicht.

Im
goldenen Morgenlicht des nächsten Tages treffen wir wieder auf eine riesige
Büffelherde, die zum Trinken zum Fluss kommt.

Wenig
später treffen wir auf zwei Giraffen und es sieht so aus, als würden sie sich
im Synchrontanz üben.

Aber
es ist kein Tanz, sondern ein Kampf. Mit ihrem langen Hals holen sie weit aus
und schlagen mit den Hörnern mit voller Wucht dem Gegner auf den Hals.

Das
muss äußerst schmerzhaft sein, denn der Schlag ist so gewaltig, dass der Gegner
zurückschnellt und sogar mit den Vorderhufen abhebt.

Dann
schauen wir uns doch lieber die friedliche Szene am Wasserloch an.

Die
Elefanten gesellen sich auch dazu, wobei manche das frische Wasser direkt aus
dem Reservoir bevorzugen.

Aus
einem Gebüsch schauen uns die neugierigen Augen eines Hyänenbabys an.

Das
gefällt der Mutter gar nicht und sie nimmt das Baby in ihre Obhut.

Und
verzieht sich lieber in den Busch.

Widerwillig
folgt das Kleine, aber nicht ohne noch einen Blick auf uns zu werden.

Erst
jetzt entdecken wir, das auch noch zwei Halbwüchsige zur Familie gehören, die
aber plötzlich aus dem Blickfeld verschwinden. Erst als Dagmar sich aus dem
Fenster beugt, sieht sie, dass sie unseren Hinterreifen anknabbern. Hyänen sind
dafür bekannt, dass sie mit ihrem kräftigen Kauwerkzeug gerne Reifen zerstören,
also machen wir uns schleunigst aus dem Staub.

In
der Nähe eines kleinen Sees entdecken wir einen Löwen unter einem Baum, der
aufmerksam in eine Richtung schaut.

Denn
eine große Elefantenherde nähert sich dem Wasser.

Beide
nehmen aber keine Notiz voneinander. Es ist allerdings eine schöne Szene für
die Safari-Touristen, die plötzlich aus den Nichts auftauchen.

Wir
verlassen jetzt den Kruger Nationalpark und fahren in das private Schutzgebiet Sabi Sands, welches gleich ohne Zäune an den Nationalpark
grenzt. Hier darf man nicht selber fahren, sondern macht geführte Touren. Auch
die Unterkünfte sind recht luxuriös.

Die
Pirschfahrten werden in offenen Fahrzeugen durchgeführt, die kreuz und quer
durch den Busch fahren dürfen und sind immer mit einem Fahrer und einem
Spurenleser besetzt. Das hat natürlich seinen Preis, aber wenn man bedenkt, wie
aufwändig alles ist so ist es schon das Geld wert.

Die
kennen sich hier sehr gut aus und finden immer interessante Tiere. Sabi Sands ist berühmt für seine Leoparden und so sehen wir
auch bald einen auf einem Baum.

Am
nächsten Morgen treffen wir aber erst auf ein Löwenrudel.

Sie
haben ihren Nachwuchs dabei, um den sich gut gekümmert wird.

Das
Kleine bekommt irgendwann Durst und sucht die Zitzen der Mutter.

Aber
schnell sind sie gefunden und der Durst kann gestillt werden.

Das
Schwesterchen hat aber auch Durst und es gibt ein wenig Gerangel um den besten
Platz.

Aber
schnell hat man sich geeinigt.

Wir
kommen zu einer Giraffe, die zum Trinken an ein Wasserloch gekommen ist.
Giraffen sind sehr vorsichtig und schreckhaft. Wenn sie trinken wollen, müssen
sie sich breitbeinig hinstellen und tief nach unten beugen. Dadurch können sie
nicht so leicht fliehen, darum halten sie die Trinkpausen so kurz wie möglich.
Sie nehmen einen tiefen Schluck und schnellen sofort mit dem Kopf wieder hoch.
Da aber der lange Hals noch voll Wasser ist, wird durch die Zentrifugalkraft
das Wasser herausgeschleudert.

Im
Nationalpark haben wir kein einziges Nashorn gesehen. Sie sind durch die
Wilderei stark gefährdet und weil die meisten Wilderer aus Mozambique kommen,
hat man Nashörner vom Grenzgebiet entfernt. Umso mehr freuen wir uns, dass wir
hier auf ein Nashorn stoßen. Leider hat man ihm auch das Horn abgeschnitten, es
ist ein trauriger Anblick, aber eine Maßnahme die leider nötig ist, um das Tier
zu schützen.

Und
dann treffen wir wieder auf einen Leoparden.

Er tut
uns den Gefallen und tritt aus dem Gebüsch.

Und
markiert sein Revier.


Er
kümmert sich überhaupt nicht um unsere Anwesenheit, aber manchmal sieht es so
aus, als wollte er uns auch nicht sehen.

Etwas
später treffen wir auf eine Leopardin mit ihrem Kind. Die Mutter hat eine
Impala gerissen, normalerweise wird das auf einen Baum geschleppt und
verankert, aber da das Kleine noch nicht auf den Baum klettern kann, liegt die
Impala in einer Mulde unter ihnen.

Jetzt
ruht die Mutter sich aus, während der kleine Leopard neugierig den Trubel um
ihn beobachtet.

Irgendwann
geht auch die schönste Reise zu ende, aber wir haben unseren Hunger nach der
Wildnis wieder stillen können. Dieser schöne Fleck Erde sieht uns sicher
wieder, obwohl die lange Fahrt schon ätzend und langweilig ist, aber was tut
man nicht alles…