Von: info@wolli-online.de
Gesendet: Friday, 13 September 2024 12:12
Betreff: Die Wildblumen der Westküste
Hallo zusammen,
Es wird wieder
einmal Zeit, aus Südafrika zu berichten, denn an der Westküste spielt sich zur
Zeit ein großartiges Schauspiel ab, die Wildblumen blühen. Das ist deshalb ein
besonderes Ereignis, weil diese Gegend wegen dem kalten Benguelastrom, der die
Regenwolken vor der Küste abregnen lässt, sehr trocken ist und einer Halbwüste
ähnelt. Daher kommt es auf die Menge des Winterregens an, ob und wann die
Blumen für eine nur leider kurze Zeit blühen. In diesem Winter waren wir mit
außergewöhnlich gutem Regen gesegnet, allerdings war es schon zu viel des
Guten, denn er hat großen Schaden angerichtet und ist uns ganz schön auf den
Geist gegangen. Allerdings ließ es auf eine schöne Blumenpracht hoffen und
darum haben wir uns auf den Weg zur Westküste gemacht und sind diesmal bis zum
Richtersfeld Nationalpark an der Grenze zu Namibia gefahren.
Unser erster
Stopp war der Westcoast Nationalpark. Hier haben wir einen ersten Eindruck der
Blumenpracht bekommen.

Es ist eine
Farbenpracht, nicht nur Weiß und Orange

Sondern auch grün

Und lila.

Unsere erste
Übernachtung war in Lambert’s Bay, einem kleinen Fischerort. Das Besondere an
diesem Ort ist eine Kolonie von Kaptölpeln, die auf einer vorgelagerten
Halbinsel brüten.

Es gibt weltweit
nur sechs Brutkolonien, die aber sonst alle auf einsamen, unbewohnten Inseln
brüten. Es befinden sich über 10 000 Tölpel in dieser Kolonie und da sie
in Paaren leben, die lebenslang zusammenbleiben, fragt man sich schon, wie sie
ihre Partner in dem Gewimmel wiederfinden. Darüber sind sie selber wohl ganz
froh und machen sich gegenseitig kleine Geschenke.

Wir sind jetzt
immer weiter direkt an der Küste Richtung Norden gefahren, was bis vor einigen
Jahren noch nicht möglich war, denn die ganze Gegend bis nach Namibia war
Sperrgebiet, weil man hier Diamanten abgebaut hat. Aber das war jetzt
ausgebeutet und man wühlt nun mit Saugbaggern den Meeresboden durch. In
trockenen Jahren beschränkt sich die Blumenpracht hauptsächlich auf die
Nationalparks, aber jetzt begleitete sie uns überall unterwegs am Straßenrand

Und großflächig
auf den Feldern.


Unser nächster
Stopp war das kleine Dorf Hondeklipbay. Hier ist absolut nichts los, die
Fischerei ist verschwunden, es gibt keine Tankstelle und zum Einkaufen müssen
die Leute 120 km über eine Schotterstraße zum nächsten Ort fahren. Man sollte
also möglichst nichts vergessen. Zum Glück gibt es aber ein Campingplatz und
ein paar Ferienwohnungen, die auch ganz in Ordnung waren.

Und es gab ein
Restaurant direkt am Strand, in dem man beim Sonnenuntergang

Eine besondere
Rarität genießen konnte, den Crayfish, was eine Art Languste ist. Früher war
das mal ein Arme-Leute-Essen, es gab ihn im Überfluss, aber durch die
Überfischung und den Klimawandel ist er fast ausgestorben. Nur hier in der
Einsamkeit scheinen noch ein paar vorhanden zu sein.

Von hier ist es
nicht weit zum Namaqua Nationalpark, der uns auch gleich mit einer Blumenwiese
rund um ein ehemaliges Farmhaus empfängt.

Jetzt am frühen
Morgen sind viele Blüten noch geschlossen, aber später am Tag wird es viel
bunter.

Aber die
eigentliche Berühmtheit in dem Park sind die großflächigen Blumenwiesen.

Nein, es hat
nicht geregnet, wir waren nur durch die langen und heftigen Regenfälle so an
den Schirm gewöhnt, dass wir nicht anders können. Tatsächlich sollte der Schirm
nur für einen zusätzlichen Farbtupfer sorgen.

Am nächsten Tag
auf dem Weg zum Richtersfeld begleiten uns die Blumenbüsche und schon ist die
Frau mit dem Schirm wieder da.

Die Gegend wird
jetzt immer karger und trockener. Die einzigen Bewohner sind die
Diamantenschürfer, die auch heute noch Diamanten abbauen.

Hier überleben
nur spezielle wasserspeichernde Pflanzen, die Sukkulenten, die auch die
sommerliche Hitze von über 50 Grad aushalten. Deshalb ist der Richtersfeld
Nationalpark auch Welterbe der UNESCO.

Zum Glück hat die
Nationalparkverwaltung mit einem Camp eine kleine Oase errichtet, wo wir es uns
in einer nachempfundenen Diamantenschürfer-Hütte gemütlich machen können. Der
schöne Rasen ist nur möglich, weil das Camp direkt am Orange-Fluss liegt.

Am nächsten Tag
empfängt uns der Park mit einer geologischen Besonderheit, der „Hand Gottes“.

Ausnahmsweise hat
der Park im Winter ein wenig Regen abbekommen, was die jahrelang im Boden
verborgenen Samen zum Ausbruch anregt und bald entdecken wir ein paar
Farbtupfer.

Die Pisten im
Park sind eine echte Herausforderung, darum werden auch nur geländegängige
Fahrzeuge in den Park gelassen. Man muss haarsträubende Bergpässe bezwingen,
wird dafür aber auch mit wunderbaren Aussichten belohnt.

Der Blick geht
bis weit nach Namibia hinein.

Wenn man beim
Aussichtspunkt richtig herum steht…

Am Nachmittag
entfalten die Blüten ihre volle Kraft, ein Anblick, den man hier nur alle
Jubeljahre erlebt.

Auf dem Weg
nachhause hat die Natur rund um das Städtchen Springbok nochmal ihr Bestes
gegeben. Das kleine Dorf Okiep war ganz im Blumenmeer verschwunden.

Und auch das
ehemalige Bergwerksdorf Nababeep versinkt in der Blütenpracht.

Die Natur holt
sich die Industrieanlagen zurück

Und macht auch
vor der Abraumhalde nicht halt.

Noch eine ganze
Weile werden wir von dieser Laune der Natur begleitet

Bis wir am Kap
mit Regen empfangen wurden. Jetzt konnten wir den Regenschirm wieder
aufspannen…
Schade, dass
dieses Naturereignis nur ein paar Wochen Ende August, Anfang September
stattfindet und das auch nur nach einem guten Winterregen, man muss also den
richtigen Moment abpassen.
Das war jetzt mal
kein Bericht über wilde Tiere, sondern über wilde Natur, aber es zeigt einmal
mehr, wie vielfältig dieses Land ist und wir staunen selbst nach 16 Jahren was
es alles noch zu entdecken gibt.
Bis zur nächsten
Entdeckung, euch alles Gute und viele liebe Grüße vom Kap der Guten Hoffnung
Dagmar &
Karl-Heinz Wollert
43 Mountain Fern
Crescent
Fernwood Estate
Somerset West, 7130
South Africa
+27(0)713537196
(Dagmar)
+27(0)715822822
(Karl-Heinz)